Holzeigenschaften - auf was Sie bei Holz achten sollten



Als typische Holzmerkmale werden alle Eigenschaften bezeichnet, die die individuelle Gestalt von Holz beschreiben. Sie bilden sich während des natürlichen Holzwachstums. Die meisten Merkmale sind baumartenspezifisch, andere können durch die Umwelt geschaffen oder beeinflusst werden. Wir haben versucht einige aufzuführen, um im Vorfeld Missverständnisse und unnötige Beanstandungen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang behandeln wir den Holzquerschnitt und die unterschiedlichen Holzklassen.

Charakterisierung von Holz

Holz als organischer, lebender Baustoff ist vor allem durch folgende Kriterien charakterisiert:
Anisotropie
Gibt an, in welche Richtung das Holz innerlich wächst. Dabei sind drei Richtungen zu unterscheiden: radial (parallel zu den Holzstrahlen), tangential (parallel zu den Jahresringen) und axial (Faserrichtung). Die Anistropie ist eine relevante Größe für den Holzschwund und die Quellung des Holzes.
Hygroskopizität
Feuchtigkeitsbindung
Porosität
Wie viel Hohlraum hat das Holz im Gesamtvolumen (diese Eigenschaft beeinflusst unter anderem die Hygroskopizität)
Diese drei Merkmale bestimmen einen Großteil der Änderungen des Holzes durch die Umgebung. Kennt man die Eigenschaften der entsprechenden Hölzer, kann daraus die sogenannte Dimensionsstabilität abgeleitet werden. Diese sagt aus, wie die unterschiedlichen Holzarten auf wechselnde Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit etc.) reagieren.

Holz und seine Phänomene

Es folgen nun ein paar mögliche Phänomene, die das Holz aufweisen können.

Trocknungsrisse

Trocknungsrisse bzw. Trockenrisse

Trockenrisse entstehen durch den Verlust von Flüssigkeit aus feuchtem Material, das an Volumen verliert und schrumpft. Dieses Phänomen tritt zum Beispiel beim Austrocknen von Holz, insbesondere bei Rundhölzern (Palisaden) auf. Die Trockenrisse beeinflussen nicht die Stabilität des Holzes und können sich je nach Witterung fast vollständig wieder schließen. Eine typische Holzeigenschaft ist die Volumenveränderung durch Feuchtigkeitsaufnahme bzw. durch Trocknung. Je nach Holzfeuchte können die einzelnen Bauteile unterschiedlich stark schrumpfen. Durch unsere Kesseldruckimprägnierung hat das Holz immer eine relativ hohe Holzfeuchte, sodass ein nachträgliches "Arbeiten" des Holzes nicht zu vermeiden ist. Während Holz in den Wintermonaten oder bei anhaltender Nässe quillt, wird es sich bei Trockenheit in sich zusammenziehen. Das Phänomen kennen Sie vielleicht von einer Wohnungstür, bei der diese Eigenschaft nicht bedacht wurde: Im Winter lässt sie sich leicht bzw. nur sehr schwer öffnen und schließen. Im Sommer schließt sie nicht perfekt ab, da die Tür plötzlich zu schmal erscheint.

Harzaustritt

Harzaustritt

Das Auftreten von Harz an der Oberfläche des Holzes ist unschön, aber völlig normal und unvermeidbar. Dieses kann auch Monate nach der Verarbeitung noch passieren. Hierbei handelt es sich allerdings um keinen Mangel, sondern um eine typische Materialeigenschaft. Störende Harzflecken lassen sich im Nutzungsbereich leicht mit einem nicht aggressiven Lösungsmittel entfernen.


Äste

Äste

Äste gehören zum Erscheinungsbild des Holzes und variieren in ihrer Anzahl sowie ihrer Maserung im Holz. Trotz sorgfältiger Qualitätskontrolle können gelegentlich ausfallende Äste, z.B. infolge trockenen Wetters, leider nie ganz vermieden werden und stellen keine Qualitätsminderung dar.




Markröhre

Markröhre

Die Markröhre ist die zentrale Röhre im Baumstamm innerhalb des ersten Jahrrings. Sie weicht durch die dunklere Farbe sowie ihre Struktur vom umgebenden Holz ab. Bei der Verarbeitung des Holzes kann diese ganz oder teilweise sichtbar werden. Dieses Merkmal gehört zum natürlichen Erscheinungsbild des Holzes.



Raue Stellen

Raue Stellen

Unser Ziel bei der Verarbeitung des Holzes ist stets ein einwandfreies Produkt. Dennoch kann es beim Hobeln entgegen der Bearbeitungsrichtung oder im Astbereich trotz Sorgfalt zu rauen Stellen kommen. Bei Kopfrundungen und Kappschnitten sind wegen der quer zur Holzfaser gerichteten Bearbeitung raue Stellen möglich.



Schimmel und Stockflecken

Schimmel und Stockflecken

Trotz Imprägnation können sich in den Sommermonaten rasch Schimmelpilze bilden, wenn das feuchte Holz nicht ausreichend belüftet wird. Schimmelpilze befallen in der Regel lediglich die Oberfläche des Holzes. Sie sind nicht holzzerstörend, beeinträchtigen nicht die Stabilität des Holzes und sind nicht gesundheitsgefährdend. Diese optische Beeinträchtigung lässt sich nicht vermeiden und kann einfach mit einem nassen Schwamm oder einer Wurzelbürste entfernt werden. Schimmelpilze, die sich dunkel verfärbt haben, werden als "Stockflecken" bezeichnet. Diese lassen sich durch Abwaschen häufig nicht vollständig entfernen, können aber durch Abschleifen beseitigt werden.

Imprägnierung

Imprägnierung

Auf der Holzoberfläche sind häufig kleine grüne Punkte zu sehen. Hierbei handelt es sich um harmlose Salzkristalle, die während der Kesseldruckimprägnierung tief in das Holz eindringen und während des Trocknungsprozesses des Holzes zusammen mit dem Harz an die Oberfläche treten. Diese können mit einem feuchten Schwamm oder Sandpapier entfernt werden. Da sich bei einer Imprägnierung durch einfaches Tauchen solche Salzkristalle nicht auf der Oberfläche bilden, können diese als Qualitätsmerkmal für eine sorgfältige Kesseldruckimprägnation und sehr guten Holzschutz angesehen werden.

Farbspiel

Farbspiel

Holz ist kein Kunststoff. Durch die individuelle Form, Farbe sowie Maserung entsteht nach der Verarbeitung ein natürliches Farbspiel des Holzes. Da auch die Farbpigmente der Kesseldruckimprägnierung aufgrund der unterschiedlichen Dichte des Holzes nicht gleichmäßig aufgenommen werden, entsteht eine unterschiedliche Farbintensität, die sich in der Regel durch Verwitterung nach einiger Zeit angleicht.


Holzeigenschaften verstehen – Voraussetzung für den Holzschutz

Nachdem Sie nun erfahren haben, wie Ihr Holz im Inneren „arbeitet“, erhalten Sie im Anschluss ein paar Tipps und Tricks, wie Sie einige unschöne Änderungen vermeiden oder den Prozess zumindest verlangsamen können. Damit Sie möglichst lange Freude an unseren Produkten haben, empfehlen wir nach dem Abtrocknen des Holzes einen Schutzanstrich mit einer offenporigen Lasur. Je nach Witterungseinflüssen ist eine Nachbehandlung von Zeit zu Zeit notwendig.

Um eine Schimmelbildung zu vermeiden, ist bei der Zwischenlagerung stets auf eine ausreichende Belüftung zu achten, so dass eine Lagerung in einem geschlossenen Raum (z. B. Garage) nicht zu empfehlen ist. Das Holz darf nicht luftdicht verpackt werden. Der Schrumpf- oder Quillprozess lässt sich je nach Umgebung nicht verhindern. Dass diese Eigenschaft kein ungutes Gefühl bei der Haustür oder Wohnungstür hervorbringt, sollten Sie beim Einbau die anisotropischen Eigenschaften berücksichtigen.

Exkurs: Querschnitt eines Holzes

Einige der oben genannten Begriffe sollen hier noch einmal näher erläutert werden.

Holzstrahl

Holzstrahl

Die Linien, die sich längs durch das Holz ziehen, sind die sogenannten Holzstrahlen. Über sie werden Nährstoffe und Wasser in den Baum geführt. Für die Holzverarbeitung sind sie allerdings vor allem hinsichtlich der Anisotropie von Bedeutung.


Holzfasern

Sie dienen der Stabilität des Holzes. Holzfasern sind lang gestreckte Zellen und schaler als Holzstrahlen. Bei der Holzbearbeitung dienen sie dem Erkennen der Anisotropie.


Jahresring

Jahresring

Ein Jahresring entsteht durch das unterschiedliche Wachsen des Kambiums. Im Frühjahr entwickelt sich das Kambium, ist frisch und nicht besonders fest. Die Phase wird als Frühholz bezeichnet. Im Laufe des Jahres wird die Schicht um das Kabium durch den Einsatz von Lignin (natürlicher Holzstoff) fester und das Kambium stellt seine Entwicklungsphase ein. In dieser Phase entsteht das Spätholz, es ist durch das Lignin wesentlich dunkler als das Frühholz. Der Jahresring besteht also durch zwei Schichten. So ist es uns möglich, aus diesen beiden Schichten eine Ringform zu erkennen. Für die Holzverarbeitung sind die Jahresringe wichtig, um die Anisotropie zu verfolgen.



Kambium

Das Kambium bildet Zellen nach innen und außen und stellt die Schicht von Früh- und Spätholz dar. In der Phase des Frühholzes ist es noch recht weich, in der Phase des Spätholzes wird die weiche Schicht mit einer aus Lignin bestehenden Schicht stabilisiert.

Markröhre



Markröhre

Wie oben bereits erwähnt, entsteht die Markröhre innerhalb des ersten Jahresringes. Sie ist wesentlich dunkler als der Rest des Holzes. Dies ist jedoch kein Makel, sondern schlicht das Mark des Baumes.






Holzklassen

Neben der bekannten Einteilung nach Nadelhölzern und Laubholz ist in der Holzverarbeitung ebenso relevant, ob es sich um ein Splint- oder Kernholz sowie Weich- oder Hartholz handelt. Daher werden nun in aller Kürze diese Holzklassen erklärt.




Holzklassen




Splintholz und Kernholz

Jeder Baum hat einen bestimmten Anteil an Splint- und Kernholz. Das Splintholz ist dabei für die Wasser- und Nährstoffzufuhr verantwortlich. Das Kernholz entsteht durch die Verholzung des Holzgewebes. Es ist durch die Einschließung von Farbablagerungen oder Gerbstoffe und dem Anteil an Lignin wesentlich dunkler als Splintholz. Beide Hölzer befinden sich unmittelbarer Nähe, das Splintholz umrahmt das Kernholz. Daneben gibt es Schichten, die zwischen Splint- und Kernholz liegen können. Beim Reifholz zum Beispiel wird ein farbarmer Kern gebildet. Er unterscheidet sich optisch wenig von dem Splintholz, ist jedoch so hart wie Kernholz.




Weichholz und Hartholz

Bäume als Rohstoff werden eingeteilt in Weich- und Hartholz. Während Weichholz eher für gebogene Objekte (Kufenbereich am Schaukelstuhl, Verschnörkelungen mit Holz) geeignet ist, werden Harthölzer für rustikale Möbel oder Parkett verwendet. Der Härtegrad ist abhängig von der sogenannten Darrdichte. Um diese zu erreichen, wird der Rohdichte des Holzes die Feuchtigkeit durch ein technisches Verfahren entzogen. Beträgt die Rohdichte schließlich null Prozent Feuchtigkeit, kann die übrig gebliebene Dichte, die so genannte Darrdichte, ermittelt werden.

Zurück